Interview mit der Züchterin Dr. Lilo Benedetti, Zwinger „Olympos“

(Fragen von Marek Jurk)

Frau Dr. Benedetti, Sie züchten in der Schweiz unter dem Namen „Olympos“ seit 35 Jahren Irish Terrier. Wir möchten gerne an Ihrer Erfahrung teilhaben und Ihnen einige Fragen zur Rasse stellen.

Der Beantwortung Ihrer Fragen möchte ich etwas grundsätzliches vorausschicken: die landschaftlich vielfältige Schweiz hat sehr viele Wander- und Spazierwege, und die Autobahnen sind durchgehend mit Gittern gesichert. Ideale Voraussetzungen für die Hundehalter, ihre Hunde auszuführen, u.zw. grossmehrheitlich freilaufend. Dass dabei Leute und Hunde nicht zu viele Konflikte verursachen, dazu tragen die lokalen Sektionen der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft bei: in fast jeder grösseren Ortschaft gibt es unzählige Freiwillige, die in Welpenspielstunden und mehrmonatigen Erziehungskursen den Besitzern und ihren Hunden die wichtigsten Verhaltensgrundregeln beibringen. In diesem Ausmass habe ich das bisher in keinem der umliegenden Länder gesehen. Nicht erst seit der „Kampfhunde-Hysterie“ muss sich der Hundezüchter in der Schweiz darum bemühen, dass seine Zuchtprodukte in der Öffentlichkeit ein gutes Image bekommen, sonst ist die Rasse nicht mehr gefragt.

Was hat sich beim IT in den letzten 35 Jahren am meisten verändert?

Was ist typisch geblieben? Was macht für sie den typischen IT aus?

Ihre 3 ersten Fragen möchte ich als Ganzes beantworten. Was heisst „der Irish Terrier“? Wer kennt schon die Gesamtpopulation einer Rasse oder nur die Population eines bestimmten Landes? An Ausstellungen sieht man nur die kleine Spitze des Eisbergs, vor allem dessen Exterieur; im übrigen entsteht das „Bild“ einer Rasse mehr durch zufällige Begegnungen, und der Züchter kennt vor allem seine eigenen Produkte. Immerhin entsteht bei den „Hündelern“ einer Region mit der Zeit eine gewisse, eher vage Vorstellung vom Typ einer Rasse.

In den 70er Jahren hatte der IT hier kein besonders gutes Image. Ich sage das nicht gerne, aber es gab Orte, wo die Leute mit ihren Hunden flohen, wenn ein IT auftauchte, und vor einigen Ausstellungsboxen (die waren früher tief und offen zum Publikum hin) waren ganze Barrikaden aufgebaut, die die Besucher vom Hund fernhalten sollten. Ich erinnere mich auch an eine grosse Ausstellung, wo der Richter von 2 guten Hunden denjenigen voranstellte, der versucht hatte, ihn zu beissen; einem, dem dies gelang, versagte ein anderer Zuchtrichter allerdings den Vorrang. So etwas sprach sich natürlich schnell herum; wie schön der bissige nun war, wurde bald vergessen.

Das sind zum Glück tempi passati; der Irish gilt heute als freundlicher, zuverlässiger, origineller Familienhund und Begleiter eher aktiver Menschen, die an seinem Temperament, seiner Neugier, seinem Interesse an allem, was ihn umgibt, Freude haben. Dadurch ist seine Beliebtheit und auch die Nachfrage gestiegen.

Verändert hat sich auch das Hyperkeratose-Problem, d.h. es scheint weitgehend genetisch verdrängt zu sein. Leider hat die vor rund 10 Jahren von mir angeregte Forschung der Uni/ETH Zürich bisher kein brauchbares Resultat ergeben; ohne Kontrolltest bleibt es daher immer möglich, dass die Hyperkeratose irgendwo wieder auftaucht.

Besorgt bin ich jedoch über die ganz neue Zahnanomalien – vor allem enge Canini – diese wie auch Kieferprobleme waren mir bis vor wenigen Jahren völlig unbekannt. Man sollte sie auf keinen Fall verharmlosen!

Wenig verändert hat sich meiner Erachtens die Ohren: warum der Irish nach über 100 Jahren ohne Kupieren immer noch Probleme mit seinen Kippohren hat, ist mir schleierhaft. (d.h. eigentlich weiss ich es: wenn wir alle aufs Kleben verzichten würden, wüssten wir, womit wir wirklich züchten! Aber das ist wohl eine Utopie.)

Zugenommen hat die Grösse; wohl vor allem durch die viel bessere Ernährung. Geblieben sind das vernünftige Gebäude mit den natürlichen Körperverhältnissen ohne züchterische Übertreibungen, was den IT zu einem gesunden, zähen Hund macht und auch für das Züchten von Vorteil ist. Die neuen langen Ruten finde ich heute, wenn sie nicht zu sehr überzogen sind, richtig schön!

Das Haar ist immer noch sehr variabel; dazu trägt meines Erachtens auch die Tatsache bei, dass die Spitzentiere hinsichtlich Wesen (keine Ängstlichkeit, keine Schreckhaftigkeit, keine unnötigen Aggressionen) kaum je das Traumhaar besitzen. Das hat mich über viele Generationen immer wieder genervt!

Typisch Irish und bestimmend für seine Beliebtheit sind meines Erachtens sein Temperament, sein eigenständiges, nie unterwürfiges Wesen: fröhlich, an allem interessiert, immer bereits, Neues zu erforschen – manchmal „ohne Rücksicht auf Verluste“ – unheimlich geländegängig!, schmale Balken, Gittertreppen sind kein Hindernis, er ersteigt sie „wie ein Eichhörnchen“ fand einmal ein alterfahrener Wesensrichter. Autofahren macht Spass, auf dem Boot ist er zuhause, er kommt auf der Loipe mit etc. etc. Und bei alldem kann er im Haus wunderbar ruhig sein.

 

Welches waren Ihre persönlichen Highlights?

Natürlich ist man ein bisschen stolz, wenn man an einer Weltausstellung weit vorne steht, und wenn es nur der Res. CACIB ist. Freude haben auch 1. Ränge an Zuchtgruppenwettbewerben gemacht, an Internationalen oder an der Terrier-Schau, und an einige feine Schweizer/Int. Champions erinnere ich mich auch gern. Grosse Befriedigung gibt mir die Tatsache, dass mehrere meiner Irish seit Jahren beim Verein Therapiehunde Schweiz mitmachen. „Sheereo“ (Olympos Xarifa, geb. 94) ist mit 12 ½ Jahren mittlerweile in den Ruhestand gegangen. (Es gibt einige analoge Gruppierungen in Deutschland). Das aller wichtigste sind mir aber immer wieder die begeisterten Rückmeldungen glücklicher Irishbesitzer. So schrieb mir neulich jemand, mit Bildern aus den Ferien in Schottland, mit Hund natürlich: „Er hat unser Leben verändert – in verschiedener Hinsicht – und reicher gemacht. Wir geniessen das Hundeleben in vollen Zügen, lassen uns inspirieren durch einen charaktervollen, eigenständigen und in jeder Beziehung tollen Hund.“ Das wiegt die Dinge auf, die nicht so erwartungsgemäss laufen (welcher ernsthafte Züchter hat nie sorgen?). Und so wie sich dieser Irish-Fan über seinen tollen Hund freut, habe ich mich je und je über die „tollen Leute“ gefreut, die man als Irish-Züchter kennenlernt. Dies ist ein Grund, weshalb es gar nicht so leicht fällt, in fortgeschrittenem Alter vernunftgemäss auf das Züchten zu verzichten!

Gab es für Sie einen ganz besonders prägenden Irish Terrier?

Eigentlich nicht. Ich bin nicht so überzeugt von der Durchschlagskraft eines einzelnen Zuchttiers (ausser es gehe um ein ganz bestimmtes einzelnes Merkmal), sondern glaube eher an die konsequente Verfolgung eines vorgefassten Zuchtziels über mehrere Generationen.

Welchen Rat würden Sie jungen Züchtern auf den Weg geben?

Es gibt die verschiedensten Motivationen fürs Hundezüchten; bevor man anfängt, sollte man sich gründlich hinterfragen. Es kann sehr viel Freude machen und ist unglaublich spannend, „mit der Natur zu spielen“, aber eine Sinekure ist es definitiv nicht.

Eine instinktsichere (sexy!) Hündin hat Freude am Decken (wenn der Zeitpunkt stimmt, natürlich!), trägt und wirft meist problemlos und zieht ihre Welpen vorbildlich auf. Sie prägt das Wesen ihrer Welpen am stärksten: sie ist das A und O der Zucht.

Die Welpeninteressenten sollte man sehr genau unter die Lupe nehmen: ein Irish ist kein Statussymbol und kein Baby-Ersatz. Ein Irish in falscher Hand ist kein glücklicher Hund und keine Werbung für die Rasse. Aber wenn alles stimmt, ist es eine echte Win-Win-Situation.

Zum Schluss noch etwas: Wissen Sie, wie herrlich lachend manche Irish vertraute Personen begrüssen? Leider ist es sehr schwierig, das zu fotografieren, weil es so spontan kommt. Ich frage mich immer noch, ob auch anderer Rassen so lachen; vielleicht wäre es mal eine Umfrage wert?

Lilo Benedetti

Herausgegeben vom Förderverein Irish Terrier im KfT e.V.

Züchter beim Gespräch
Eva Baumgartner und Lilo Benedetti (v.l.n.r.)